Local SEO für Kanzleien: Mandate über die Google-Suche gewinnen
Mandate kamen jahrzehntelang über Empfehlungen. Das funktioniert weiter, deckt aber immer weniger ab. Wer heute eine Kündigung im Briefkasten hat, einen Unfall hatte oder sich scheiden lassen will, sucht zuerst bei Google. Und meistens nicht nach einem Rechtsgebiet, sondern nach dem eigenen Problem.
Genau in dieser Lücke entstehen Mandate. Local SEO bedeutet für Kanzleien: Sie sind auffindbar, wenn jemand aus Ihrer Region in einer konkreten Lage nach Hilfe sucht. Das erfordert keine große Kampagne, sondern eine sauber aufgebaute Webseite und ein gepflegtes Profil.
Wie Mandant:innen wirklich suchen
Der wichtigste Unterschied zu anderen Branchen: Menschen mit einem Rechtsproblem kennen die Fachbegriffe nicht. Sie beschreiben ihre Situation. Wer eine Seite hat, die genau diese Situation aufgreift, wird gefunden. Wer nur „Arbeitsrecht" schreibt, konkurriert mit allen anderen Kanzleien der Stadt um denselben Begriff.
| Was gesucht wird | Rechtsgebiet | Passende Seite |
|---|---|---|
| „Kündigung erhalten was tun" | Arbeitsrecht | Seite zur Kündigungsschutzklage mit Fristen |
| „Vermieter zahlt Kaution nicht zurück" | Mietrecht | Seite zu Kaution und Rückzahlung |
| „Trennung Haus wem gehört was" | Familienrecht | Seite zu Immobilien in der Scheidung |
| „Strafbefehl bekommen" | Strafrecht | Seite zum Einspruch mit Zwei-Wochen-Frist |
Hinzu kommt fast immer ein Ortsbezug, entweder ausgeschrieben („Anwalt Arbeitsrecht Bremen") oder implizit, weil Google den Standort kennt. Deshalb gehört Ihr Ort in Überschriften und Texte, ohne dass er in jedem Satz auftaucht.
Beachten Sie außerdem den Zeitdruck. Viele Rechtsthemen haben Fristen, und wer eine Kündigung erhalten hat, sucht nicht zwei Wochen lang in Ruhe. Eine Seite, die die Frist gleich im ersten Absatz nennt, wirkt sofort kompetent und macht den Anruf wahrscheinlicher. Bei Themen rund um Immobilien, etwa im Erb- oder Familienrecht, treffen Sie dabei auf dieselben Suchanfragen wie Immobilienmakler in Ihrer Region. Eine gegenseitige Empfehlung ist dort für beide Seiten sinnvoll.
Kurz gesagt: Schreiben Sie über Situationen, nicht über Paragrafen. Die Fachbegriffe dürfen dabeistehen, aber die Überschrift muss die Sprache der Mandantschaft treffen.
Eine Seite je Rechtsgebiet, nicht eine Liste
Viele Kanzlei-Webseiten haben eine Seite „Tätigkeitsschwerpunkte" mit acht Stichpunkten. Für Google ist das eine einzige Seite zu acht Themen, also zu keinem richtig. Besser ist eine eigene Unterseite je Rechtsgebiet, und darunter, wo es sich lohnt, weitere Seiten zu einzelnen Fragen.
Eine gute Rechtsgebietsseite beantwortet immer dieselben Punkte: Um welche Situation geht es? Welche Fristen gelten? Was passiert im ersten Gespräch? Wie läuft ein Verfahren grob ab? Wie entstehen die Kosten und wann greift eine Rechtsschutzversicherung? Diese Fragen sind der Grund, warum jemand sucht, und sie sind der Grund, warum jemand anruft.
Wenn Sie eine Frage besonders klar und knapp beantworten, kann Google diese Antwort direkt oben in den Ergebnissen anzeigen. Wie Sie Texte dafür aufbauen, steht in Featured Snippets erreichen.
Nehmen wir eine Kanzlei mit Schwerpunkt Arbeitsrecht. Statt eines Absatzes auf der Sammelseite entstehen drei Unterseiten: eine zur Kündigung, eine zum Aufhebungsvertrag und eine zum Arbeitszeugnis. Jede erklärt die Ausgangslage, die Frist und den nächsten Schritt. Alle drei verweisen aufeinander, weil die Themen zusammenhängen. Der Aufwand liegt bei wenigen Stunden Schreibarbeit, und die Seiten arbeiten danach jahrelang. Bei Rechtsänderungen aktualisieren Sie nur den betroffenen Abschnitt.
Das Google-Profil der Kanzlei
Auch bei Kanzleien erscheint in der Suche eine Karte mit lokalen Einträgen. Wer dort fehlt oder nur unvollständig auftaucht, verliert Anfragen an Kolleg:innen zwei Straßen weiter. Diese Punkte sind wichtig:
- Kategorien nach Schwerpunkten: „Rechtsanwalt" als Hauptkategorie, dazu passende Zusatzkategorien wie „Anwalt für Arbeitsrecht".
- Erreichbarkeit realistisch angeben: Wenn das Sekretariat nur vormittags besetzt ist, gehört das so ins Profil.
- Fotos der Kanzlei und der Anwält:innen: Menschen wollen sehen, wem sie ihr Problem anvertrauen.
- Anfahrt und Barrierefreiheit: Etage, Aufzug, Parkmöglichkeiten. Das spart Nachfragen.
- Verlinkung auf die richtige Unterseite: Wenn Sie im Profil einen Schwerpunkt nennen, führen Sie direkt auf die passende Seite.
Der Erstkontakt ist die eigentliche Hürde
Bei Kanzleien ist die Schwelle höher als in fast jeder anderen Branche. Wer anruft, muss ein Problem schildern, das ihm unangenehm ist, und rechnet mit Kosten, die er nicht einschätzen kann. Genau hier verlieren viele Kanzleien Mandate, obwohl sie gut sichtbar sind.
- Sagen Sie, wie das Erstgespräch abläuft. Dauer, Ablauf, was mitzubringen ist. Das nimmt den größten Teil der Unsicherheit.
- Erklären Sie das Prinzip der Kosten, also Gegenstandswert, gesetzliche Gebühren und Rechtsschutzversicherung. Auch ohne konkrete Zahlen hilft die Erklärung.
- Bieten Sie einen schriftlichen Weg an. Viele schildern ihr Anliegen lieber in einem Formular als am Telefon.
- Nennen Sie eine Reaktionszeit und halten Sie sie ein. „Wir melden uns innerhalb eines Werktags" ist ein starkes Versprechen.
Für einzelne Schwerpunkte lohnt sich eine eigene, fokussierte Seite mit genau einem Ziel, also einer Landingpage. Alles, was auf dieser Seite steht, dient der einen Frage: Soll ich hier anrufen?
Achten Sie beim Formular auf Zurückhaltung. Fragen Sie nur nach dem, was Sie für die erste Einschätzung wirklich brauchen, und weisen Sie darauf hin, dass durch die Anfrage noch kein Mandat entsteht. Sensible Angaben gehören nicht in ein offenes Formularfeld. Ein Satz wie „Bitte schildern Sie Ihr Anliegen nur in Stichworten, Einzelheiten klären wir im Gespräch" ist hier die richtige Führung.
Fachlichkeit zeigen, ohne Rechtsrat im Netz zu erteilen
Rechtsthemen gehören für Google zu den sensiblen Bereichen. Bewertet wird nicht nur der Text, sondern auch, wer dahintersteht. Dahinter steckt das Prinzip E-E-A-T, also Erfahrung, Fachkompetenz, Autorität und Vertrauenswürdigkeit.
Praktisch heißt das: Jeder Fachbeitrag bekommt eine erkennbare Autorin oder einen erkennbaren Autor mit Foto, Zulassungsjahr und Schwerpunkten. Fachanwaltstitel dürfen Sie führen, wenn sie verliehen sind. Und Beiträge sollten ein Datum tragen, damit erkennbar ist, ob die Rechtslage aktuell abgebildet ist. Warum das auch über Ihre Sichtbarkeit in KI-Antworten entscheidet, erklären wir in E-E-A-T: Vertrauen bei Google und KI.
Ein Zusatz, der viel Ärger erspart: Ein kurzer Hinweis unter jedem Fachbeitrag, dass der Text allgemein informiert und keine Beratung im Einzelfall ersetzt. Das ist gute Praxis und schützt Sie. Dieselben Regeln zur Vertrauensbildung gelten übrigens auch für Arztpraxen.
Bewertungen und Diskretion
Bewertungen sind bei Kanzleien schwieriger als anderswo. Viele Mandant:innen möchten nicht öffentlich sagen, dass sie einen Anwalt gebraucht haben. Trotzdem sind Sterne ein Faktor, den Suchende sehen.
Fragen Sie deshalb gezielt in Fällen, die unproblematisch sind, etwa nach einer abgeschlossenen Vertragsprüfung oder einer Beratung ohne Streit. Antworten Sie auf negative Bewertungen immer knapp und ohne jede Angabe zum Fall. Ein Satz wie „Wir können uns aus berufsrechtlichen Gründen nicht zu Mandaten äußern, melden Sie sich gerne direkt bei uns" ist die sichere Variante. Ausführlicher gehen wir darauf in Mehr Google-Bewertungen erhalten ein.
Hinweis zum Berufsrecht: Für die Außendarstellung von Kanzleien gelten besondere Regeln, unter anderem aus der Bundesrechtsanwaltsordnung und der Berufsordnung für Rechtsanwälte. Werbung muss sachlich bleiben, Erfolgsversprechen sind unzulässig, und die Verschwiegenheitspflicht gilt auch online. Dieser Artikel gibt allgemeine Hinweise zur Sichtbarkeit und ersetzt keine Rechtsberatung.
Fazit: die nächsten Schritte
Sichtbarkeit entsteht bei Kanzleien durch Klarheit, nicht durch Lautstärke. Fangen Sie hier an:
- Zwei Schwerpunkte auswählen, mit denen Sie wachsen wollen, und je eine eigene Seite dafür anlegen.
- Die fünf häufigsten Mandantenfragen aus dem Erstgespräch sammeln und schriftlich beantworten.
- Google-Profil vervollständigen: Kategorien, echte Erreichbarkeit, Fotos, Anfahrt, Link zur passenden Unterseite.
- Erstkontakt entschärfen: Ablauf, Kostenprinzip und Reaktionszeit auf der Webseite beschreiben.
- Autorenprofile anlegen mit Foto, Zulassung und Schwerpunkten, und jeden Fachbeitrag datieren.
Wird Ihre Kanzlei gefunden?
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