Webhosting auswählen: worauf kleine Betriebe achten
Hosting ist eines dieser Themen, um die sich niemand freiwillig kümmert. Man bucht irgendwann irgendwas, meistens das Günstigste, und denkt nicht mehr daran. Bis die Seite an einem Freitagnachmittag nicht mehr erreichbar ist und die Hotline erst am Montag wieder besetzt ist. Dieser Artikel zeigt Ihnen, worauf es wirklich ankommt.
Was Hosting eigentlich ist
Eine Webseite besteht aus Dateien. Diese Dateien müssen auf einem Computer liegen, der rund um die Uhr am Netz hängt und sie ausliefert, sobald jemand Ihre Adresse aufruft. Diesen Computer nennt man Server, und das Mieten von Platz darauf nennt man Hosting.
Der Vergleich mit einem Ladenlokal trifft es gut. Die Domain ist Ihre Adresse, also das Schild an der Tür. Das Hosting ist das Grundstück mit dem Gebäude. Die Webseite ist die Einrichtung. Drei Dinge, die zusammengehören, aber unterschiedlich funktionieren und oft sogar von verschiedenen Anbietern kommen.
Kurz gesagt: Beim Hosting sparen die meisten Betriebe an der falschen Stelle. Der Unterschied zwischen dem billigsten und einem soliden Paket ist überschaubar. Der Unterschied im Ergebnis ist es nicht.
Serverstandort und Datenschutz
Der Ort, an dem Ihr Server steht, hat zwei Auswirkungen. Die erste ist technisch: Je kürzer der Weg zwischen Server und Besucher, desto schneller kommen die Daten an. Für einen Betrieb mit Kundschaft aus der Region ist ein Rechenzentrum in Deutschland oder zumindest in Europa die naheliegende Wahl.
Die zweite Auswirkung betrifft den Datenschutz. Sobald jemand Ihre Webseite besucht, verarbeitet der Server personenbezogene Daten, unter anderem die IP-Adresse. Deshalb sind zwei Punkte üblich und wichtig:
- Ein Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Anbieter. Seriöse Hoster stellen ihn im Kundenbereich zum Abschluss bereit.
- Klarheit über den Standort der Rechenzentren und darüber, ob Daten in Länder außerhalb der EU fließen.
Ein Anbieter mit Servern in Deutschland macht Ihnen die Sache spürbar einfacher, weil die Fragen zur Datenübermittlung ins Ausland entfallen. Diese Hinweise sind allgemeine Informationen und ersetzen keine Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen wenden Sie sich bitte an eine Anwältin oder einen Anwalt.
Tempo: was einen Server schnell macht
Sie können Ihre Bilder noch so gut aufbereiten: Wenn der Server langsam antwortet, wartet Ihr Besucher trotzdem. Diese Punkte machen den Unterschied:
| Merkmal | Warum es zählt |
|---|---|
| SSD-Speicher | Moderne Speicher liefern Dateien um ein Vielfaches schneller aus als alte Festplatten. Heute Standard, aber nicht überall. |
| Aktuelle Software | Neue Versionen der Server-Software arbeiten schneller und sicherer. Ein Anbieter, der veraltete Versionen fährt, bremst Sie aus. |
| Wenige Kunden pro Server | Beim günstigen Massenhosting teilen sich sehr viele Webseiten einen Server. Ein Nachbar mit viel Betrieb bremst dann alle mit. |
| Caching möglich | Ein Zwischenspeicher liefert fertige Seiten aus, statt sie jedes Mal neu zu berechnen. Das ist einer der größten Hebel. |
| Komprimierung aktiv | Der Server schickt Dateien gepackt an den Browser. Das spart spürbar Übertragungszeit. |
Sie müssen diese Begriffe nicht beherrschen. Es reicht, sie beim Anbieter zu erfragen. Was Google an Ihrer Ladezeit misst und warum das aufs Ranking wirkt, lesen Sie im Beitrag zu Core Web Vitals. Besonders im Mobilfunknetz macht ein schneller Server viel aus, wie der Artikel zu Mobile First zeigt.
Verfügbarkeit, Backups und der Ernstfall
Zwei Fragen entscheiden darüber, wie ruhig Sie schlafen. Erstens: Wie oft ist die Seite nicht erreichbar? Zweitens: Was passiert, wenn etwas kaputtgeht?
Zur Verfügbarkeit nennen Anbieter meist einen Prozentwert. Wichtiger als die Zahl im Prospekt ist, ob es überhaupt eine verbindliche Zusage gibt und was passiert, wenn sie nicht eingehalten wird.
Beim Thema Sicherung sollten Sie genauer hinschauen. Fragen Sie konkret:
- Wie oft wird gesichert? Täglich ist der sinnvolle Mindeststandard.
- Wie weit reichen die Sicherungen zurück? Ein Problem fällt manchmal erst nach zwei Wochen auf.
- Kann ich selbst zurückspielen? Ein Knopf im Kundenbereich ist Gold wert, wenn es eilt.
- Werden Dateien und Datenbank gesichert? Nur beides zusammen ergibt eine funktionierende Webseite.
- Liegen die Sicherungen woanders? Eine Sicherung auf demselben Server hilft beim Ausfall genau dieses Servers nicht.
Verlassen Sie sich nicht allein auf den Anbieter. Eine eigene Sicherung, die Sie einmal im Quartal herunterladen, kostet zehn Minuten und rettet im Zweifel Ihr Geschäft.
Beispiel aus der Praxis
Nehmen wir ein Restaurant, dessen Webseite nach einem fehlgeschlagenen Update eine Fehlermeldung zeigt. Mit täglicher Sicherung und einem Wiederherstellungsknopf ist die Seite in 15 Minuten zurück. Ohne beides beginnt eine Suche nach der letzten Kopie, während am Wochenende die Tischreservierungen ausbleiben.
Sicherheit: das Nötigste, ohne Fachchinesisch
- Verschlüsselung inklusive: Ein SSL-Zertifikat sorgt für das „https" in der Adresszeile. Es muss heute im Preis enthalten sein und sich automatisch verlängern. Ohne warnt der Browser Ihre Besucher vor Ihrer eigenen Seite.
- Regelmäßige Updates: Der Anbieter hält die Server-Software aktuell. Um Ihr Redaktionssystem müssen Sie sich getrennt kümmern.
- Zwei-Faktor-Anmeldung: für den Kundenbereich. Wer Ihren Hosting-Zugang hat, hat Ihre gesamte Webseite.
- Schutz vor Überlastung: Gute Anbieter fangen automatisierte Angriffe ab, bevor sie bei Ihnen ankommen.
Support: erreichbar, wenn es brennt
Der Support ist der Punkt, an dem sich billig und günstig unterscheiden. Solange alles läuft, brauchen Sie ihn nie. An dem einen Tag, an dem Sie ihn brauchen, entscheidet er über Stunden oder Tage Ausfall.
Achten Sie auf drei Dinge: eine echte Telefonnummer statt nur eines Kontaktformulars, Erreichbarkeit auch außerhalb der Bürozeiten, und deutschsprachige Ansprechpartner. Ein kurzer Test vor dem Vertragsabschluss lohnt sich: Rufen Sie an und stellen Sie eine einfache Frage. Wie lange dauert es, und wie verständlich ist die Antwort?
Wem gehören Domain und Zugangsdaten?
Das ist der wichtigste Abschnitt dieses Artikels, und er wird am häufigsten übersehen. Lassen Sie Domain und Hosting immer auf Ihren Betrieb laufen, nicht auf den Dienstleister, der die Seite gebaut hat.
Der Grund ist einfach: Wenn Sie den Dienstleister wechseln möchten, brauchen Sie Zugriff. Wenn dieser Zugriff bei jemand anderem liegt, sind Sie auf dessen Mitwirkung angewiesen. Im schlechtesten Fall verlieren Sie eine Adresse, die seit Jahren auf Ihren Fahrzeugen und Rechnungen steht.
- Als Inhaber der Domain muss Ihr Betrieb eingetragen sein, mit Ihrer eigenen E-Mail-Adresse.
- Der Hosting-Vertrag läuft auf Ihren Namen, auch wenn ein Dienstleister ihn verwaltet.
- Sie haben eigene Zugangsdaten zu Hosting, Domainverwaltung und Redaktionssystem, sicher abgelegt.
- Die Google Search Console und Ihr Statistikwerkzeug gehören ebenfalls Ihnen, nicht der Agentur.
Wenn Sie diese Punkte gerade nicht sicher beantworten können, ist das Ihre nächste Aufgabe. Ein Anbieterwechsel ist danach völlig unkritisch, solange er sauber vorbereitet wird. Wie das geht, steht im Artikel zum Umzug ohne Rankingverlust.
Die Fragen vor dem Vertrag
Diese Liste können Sie im Gespräch mit einem Anbieter oder Dienstleister direkt abarbeiten:
- Wo stehen die Server, und gibt es einen Auftragsverarbeitungsvertrag?
- Wie oft wird gesichert, wie weit zurück, und kann ich selbst wiederherstellen?
- Ist das SSL-Zertifikat enthalten und verlängert es sich automatisch?
- Wie erreiche ich den Support, und wann?
- Wie lange läuft der Vertrag, und wie komme ich wieder heraus?
- Kann ich später auf ein größeres Paket wechseln, ohne umzuziehen?
- Sind E-Mail-Postfächer dabei, und wie viele?
- Lassen sich einfache Weiterleitungen einrichten, etwa nach einem Relaunch? Das ist die Grundlage dafür, dass keine toten Links entstehen.
Ein Hinweis noch zu Lockangeboten: Sehr niedrige Einstiegskonditionen gelten oft nur im ersten Jahr. Schauen Sie immer auf die Bedingungen danach und auf die Laufzeit. Wenn Sie sich mit dem Thema gar nicht befassen möchten, übernehmen wir Hosting, Pflege und Sicherungen als Teil unserer Betreuung. Eine Übersicht finden Sie unter Leistungen, und bei Fragen zu Ihrer konkreten Situation erreichen Sie uns über die Kontaktseite.
Fazit: Ihre nächsten Schritte
Gutes Hosting merkt man nur daran, dass man es nie bemerkt. Schlechtes Hosting kostet Tempo, Nerven und im Ernstfall die ganze Webseite. Diese fünf Punkte klären Sie am besten diese Woche:
- Prüfen Sie, ob Domain und Hosting auf Ihren Betrieb eingetragen sind.
- Legen Sie alle Zugangsdaten an einem sicheren Ort ab, auf den Sie selbst zugreifen können.
- Klären Sie, wie oft gesichert wird und wie eine Wiederherstellung abläuft.
- Kontrollieren Sie, ob Ihr SSL-Zertifikat aktiv ist und sich automatisch verlängert.
- Schließen Sie den Auftragsverarbeitungsvertrag mit Ihrem Anbieter ab, falls das noch offen ist.
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