Keyword-Recherche für lokale Betriebe, ohne teures Werkzeug
Keyword-Recherche klingt nach teurer Software und Tabellen mit zehntausend Zeilen. Für einen Betrieb mit dreißig Kilometern Einzugsgebiet ist beides überflüssig. Sie brauchen keine Werkzeuge für hunderte Euro im Monat. Sie brauchen zwei Stunden, Google und einen Blick auf Ihre eigenen Telefonnotizen.
Warum lokale Recherche anders funktioniert
In der klassischen Suchmaschinenoptimierung dreht sich alles um Suchvolumen: Welcher Begriff wird am häufigsten eingetippt? Lokal ist das die falsche Frage. „Dachdecker" wird bundesweit oft gesucht, für Sie aber ist nur relevant, was Menschen in Ihrer Umgebung eintippen. Und das sind kleine Zahlen.
Kleine Zahlen haben zwei Folgen. Erstens zeigen die üblichen Werkzeuge für lokale Kombinationen häufig „kein Volumen" oder „unter zehn", obwohl die Anfragen trotzdem existieren. Zweitens zählt hier die Absicht mehr als die Menge. Zehn Menschen, die „Heizung tropft Notdienst Bremen" suchen, sind wertvoller als tausend, die „Heizung Funktionsweise" suchen.
Faustregel für lokale Betriebe: Nicht das häufigste Wort gewinnt, sondern das Wort, das jemand kurz vor dem Anruf eintippt. Suchen Sie nach Dringlichkeit und Ort, nicht nach großen Zahlen.
Schritt 1: Die Sprache Ihrer Kundschaft aufschreiben
Der erste Schritt kostet nichts und passiert offline. Setzen Sie sich hin und notieren Sie, mit welchen Worten Ihre Kund:innen anrufen. Nicht Ihre Fachbegriffe. Ihre.
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Sanitärbetrieb schreibt auf seiner Webseite von „Trinkwasserinstallation nach DIN 1988". Am Telefon sagen die Leute „Wasserhahn tropft" oder „Wasserleitung undicht". Beide Seiten meinen dasselbe. Nur eine Seite wird gefunden.
Ergiebige Quellen für diese Sammlung:
- Ihr Telefon. Notieren Sie zwei Wochen lang jede Anfrage im Originalwortlaut. Das ist die beste Datenquelle, die Sie bekommen können.
- Ihr E-Mail-Postfach. Die Betreffzeilen eingehender Anfragen sind praktisch fertige Suchbegriffe.
- Ihre Angebote und Rechnungen. Welche Positionen tauchen am häufigsten auf? Das sind Ihre umsatzstärksten Leistungen und damit Ihre wichtigsten Seiten.
- Ihre Mitarbeitenden im Kundenkontakt. Fragen Sie im Team, welche fünf Fragen jede Woche kommen.
Am Ende dieses Schritts haben Sie zwanzig bis fünfzig Formulierungen. Das ist Ihre Rohliste.
Schritt 2: Google selbst befragen
Google verrät kostenlos, wonach Menschen suchen. Sie müssen nur wissen, wo Sie hinschauen. Vier Stellen sind ergiebig:
- Die Autovervollständigung. Tippen Sie Ihre Leistung ins Suchfeld und schauen Sie, was Google ergänzt. Diese Vorschläge stammen aus echten Suchanfragen. Ergänzen Sie testweise Buchstaben: „Elektriker Bremen a", „Elektriker Bremen b" und so weiter. Jeder Buchstabe fördert neue Vorschläge zutage.
- Der Kasten „Ähnliche Fragen". Mitten im Suchergebnis listet Google typische Folgefragen auf. Jede aufgeklappte Frage erzeugt neue. Das sind fertige Überschriften für Ihre Seiten und für Antwortboxen im Suchergebnis.
- „Verwandte Suchanfragen" ganz unten. Zeigt Begriffe, die Menschen zusätzlich eingeben.
- Google Trends. Kostenlos, zeigt saisonale Verläufe. Für einen Garten- und Landschaftsbau ist es Gold wert zu sehen, wann die Nachfrage anzieht.
Ein Hinweis: Ihre eigenen Suchergebnisse sind von Ihrem Standort und Ihrem Verlauf gefärbt. Nutzen Sie ein privates Fenster, wenn Sie einen unverfälschten Eindruck brauchen.
Schritt 3: Die Search Console ist Ihre Goldgrube
Wenn Ihre Webseite schon eine Weile online ist, sitzt die beste Datenquelle bereits bei Ihnen. Der Leistungsbericht der Google Search Console listet die echten Formulierungen auf, mit denen Menschen bei Ihnen gelandet sind. Keine Schätzung, keine Hochrechnung.
Zwei Auswertungen lohnen besonders:
- Begriffe mit Impressionen, aber ohne Klicks. Google zeigt Sie dafür bereits, findet Sie aber nicht überzeugend genug. Oft fehlt schlicht eine eigene Seite zu diesem Thema.
- Begriffe, die Sie überraschen. Fast jeder Betrieb findet hier Anfragen zu Leistungen, an die er nie gedacht hat. Das sind Themen mit nachgewiesener Nachfrage.
Filtern Sie zusätzlich nach Suchanfragen, die einen Ortsnamen enthalten. So sehen Sie, welche Nachbarorte Sie bereits erreichen und welche nicht.
Schritt 4: Beim Wettbewerb und im eigenen Profil abschauen
Öffnen Sie die Webseiten von drei Mitbewerbern, die vor Ihnen stehen. Achten Sie nicht auf Design, sondern auf Struktur: Welche Leistungsseiten haben sie? Wie sind die Überschriften formuliert? Welche Orte werden genannt? Sie kopieren keine Texte, Sie erkennen Lücken.
Ebenso lohnend ist Ihr eigenes Google Unternehmensprofil. Dessen Statistik zeigt, über welche Suchbegriffe Menschen Ihr Profil gefunden haben. Für viele lokale Betriebe kommen von dort mehr Anfragen als über die Webseite. Wer beides zusammenliest, bekommt ein erstaunlich vollständiges Bild.
Schritt 5: Aus Wörtern eine Seitenstruktur machen
Jetzt kommt der Teil, den die meisten überspringen und der den Unterschied macht. Sortieren Sie Ihre Liste nach Suchabsicht, also danach, was jemand in diesem Moment vorhat.
| Absicht | Typische Suche | Passende Seite |
|---|---|---|
| Sofort beauftragen | „Rohrreinigung Notdienst Bremen" | Leistungsseite oder Landingpage mit Nummer ganz oben |
| Anbieter vergleichen | „Malerbetrieb Bremen Bewertungen" | Referenzen, Kundenstimmen, Unternehmensprofil |
| Sich informieren | „Was kostet eine Badsanierung" | Magazinbeitrag, der ehrlich antwortet |
| Sie gezielt suchen | „Müller Elektro Öffnungszeiten" | Startseite und Unternehmensprofil |
Daraus folgt eine einfache Regel: Eine Absicht, eine Seite. Packen Sie nicht acht Leistungen auf eine Seite. Google kann dann keiner Suchanfrage eine klare Antwort zuordnen, und Ihre Besucher:innen müssen suchen. Wie eine solche Struktur für Handwerksbetriebe aussieht, zeigt der Beitrag Local SEO für Handwerksbetriebe.
Für die wichtigsten Kombinationen aus Leistung und Ort lohnen sich eigene Landingpages. Aber nur, wenn sie echten, unterschiedlichen Inhalt haben. Zwanzig fast gleiche Ortsseiten sind kein Vorteil, sondern ein Risiko.
Welche Begriffe Sie streichen sollten
Eine gute Liste ist kurz. Streichen Sie konsequent:
- Einzelwörter ohne Ort. Bei „Zahnarzt" konkurrieren Sie mit dem ganzen Land, ohne dass es Ihnen eine einzige Anfrage bringt.
- Begriffe, die Sie nicht bedienen. Wer für Leistungen gefunden wird, die er ablehnt, produziert nur Arbeit am Telefon.
- Reine Bastelanleitungen. Wer „Silikonfuge selbst erneuern" sucht, beauftragt keinen Betrieb.
- Orte weit außerhalb Ihres Gebiets. Anfragen, die Sie ohnehin ablehnen, kosten Sie Zeit.
Zwanzig gut gewählte Begriffe mit klarer Absicht schlagen zweihundert zusammengekaufte. Denken Sie außerdem daran, dass viele Menschen heute in ganzen Sätzen suchen, per Sprache oder in einem KI-Assistenten. Wie sich das auswirkt, beschreibt der Beitrag zur Sprachsuche für lokale Unternehmen.
Wenn Sie doch ein Werkzeug wollen
Der Google Keyword-Planer ist kostenlos, verlangt aber ein Google-Ads-Konto. Ohne laufende Kampagne zeigt er nur grobe Spannen statt genauer Zahlen. Für lokale Recherche reicht das meist, weil die Größenordnung wichtiger ist als die Nachkommastelle.
Die bekannten Bezahlwerkzeuge sind für regionale Betriebe selten ihr Geld wert. Ihre Stärke liegt bei großen Datenmengen und bundesweiten Wettbewerbsanalysen. In einem Einzugsgebiet von dreißig Kilometern liefern Ihr Telefon und die Search Console die besseren Daten.
Und dann: aus Wörtern werden Seiten
Eine Keyword-Liste ist kein Ergebnis, sondern ein Arbeitsplan. Jeder Begriff mit klarer Absicht wird zu einer Seite oder zu einem Abschnitt. Der Begriff gehört in die Hauptüberschrift, in den ersten Absatz und in Titel und Beschreibung. Nicht zehnmal in den Text gestopft, sondern einmal an den richtigen Stellen.
Prüfen Sie nach zwei bis drei Monaten in der Search Console, ob die neuen Seiten Impressionen sammeln. Das ist der Punkt, an dem sich Recherche und Messung schließen: Sie haben eine Vermutung aufgeschrieben, eine Seite gebaut und können nun nachsehen, ob die Vermutung stimmte. Wie Sie die dazugehörigen Zahlen nüchtern lesen, steht im Beitrag Absprungrate und Verweildauer richtig deuten.
Fazit: Ihre nächsten Schritte
Lokale Keyword-Recherche ist Zuhören mit System. Zwei Stunden reichen für den Anfang.
- Zwei Wochen Anfragen mitschreiben. Im Originalwortlaut, nicht in Fachsprache übersetzt.
- Google nach Vorschlägen fragen. Autovervollständigung, ähnliche Fragen, verwandte Suchanfragen.
- Search Console auswerten. Besonders Begriffe mit vielen Impressionen und wenigen Klicks.
- Nach Absicht sortieren und ausmisten. Alles streichen, was Sie nicht bedienen wollen oder können.
- Je Absicht eine Seite bauen. Begriff in Überschrift, Einleitung und Titel, dann nach drei Monaten nachmessen.
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