Mitarbeiter über die eigene Webseite finden: so klappt es
Stellenanzeigen kosten Geld, und viele Betriebe haben den Eindruck, dass sie immer weniger bringen. Was dabei oft untergeht: Wer sich für Ihre Stelle interessiert, sucht vorher nach Ihrem Betrieb und landet auf Ihrer Webseite. Was dort steht, wirkt auf die Entscheidung für oder gegen eine Bewerbung. Diese Seite können Sie selbst gestalten, und sie kostet Sie pro Bewerbung nichts.
Warum die Bewerbung über Ihre Webseite entschieden wird
Der Ablauf ist fast immer gleich. Jemand sieht Ihre Anzeige, hört Ihren Namen von einem Bekannten oder sieht Ihr Fahrzeug in der Straße. Dann wird der Betriebsname gesucht. Innerhalb weniger Sekunden entsteht ein Urteil: Sieht das nach einem ordentlichen Laden aus? Gibt es überhaupt offene Stellen? Wie würde ich hier arbeiten?
Wenn Ihre Webseite darauf keine Antwort gibt, springt die Person ab, und Sie erfahren nie davon. Das ist der Unterschied zwischen einer Anzeige, die läuft, und einer Anzeige, die Bewerbungen bringt. Der Engpass liegt selten bei der Anzeige, meistens beim Rest.
Kurz gesagt: Ihre Webseite ist der Ort, an dem Interessierte in Ruhe prüfen, ob sie zu Ihnen passen. Anzeigen bringen Leute dorthin. Ob sich jemand meldet, entscheidet sich auf Ihrer Seite.
Eine echte Karriereseite, kein PDF im Downloadbereich
Der häufigste Fehler ist eine Unterseite mit der Überschrift „Stellenangebote" und dem Satz „Aktuell keine offenen Stellen". Der zweithäufigste ist eine hochgeladene Stellenanzeige als PDF. Beides hilft niemandem.
Bauen Sie stattdessen zwei Ebenen. Erstens eine Übersichtsseite über das Arbeiten in Ihrem Betrieb: wer Sie sind, wie der Tag abläuft, was Sie bieten. Zweitens pro offener Stelle eine eigene Seite mit eigener Adresse. Das ist wichtig, weil Sie diese Adresse einzeln verschicken und weil Google sie einzeln bewerten kann. Wie so eine fokussierte Seite aufgebaut ist, beschreiben wir bei den Landingpages.
Schreiben Sie auf die Übersichtsseite immer einen Satz für Initiativbewerbungen. „Gerade ist nichts ausgeschrieben? Melden Sie sich trotzdem, gute Leute finden wir immer unter." Das kostet nichts und bringt regelmäßig Kontakte.
Was in einer Stellenanzeige wirklich stehen muss
Die meisten Anzeigen beschreiben, wen der Betrieb sucht. Bewerbende wollen aber wissen, was sie erwartet. Drehen Sie die Perspektive um.
| Was oft dasteht | Was Bewerbende wissen wollen |
|---|---|
| „Wir sind ein dynamisches Team" | Wie viele Leute, welche Gewerke, wer wäre mein Chef oder meine Chefin? |
| „Leistungsgerechte Vergütung" | Ein Rahmen. Auch eine Spanne oder „nach Tarif plus Zulagen" ist besser als nichts. |
| „Flexible Arbeitszeiten" | Wann beginnt der Tag, wann ist Feierabend, gibt es Samstagsdienste, wie sieht die Urlaubsregelung aus? |
| „Abwechslungsreiche Tätigkeit" | Welche Aufträge konkret, welches Einsatzgebiet, wie weit sind die Fahrten? |
| „Modernes Arbeitsumfeld" | Welches Werkzeug, welche Fahrzeuge, gibt es ein eigenes Fahrzeug und Arbeitskleidung? |
Wer die rechte Spalte beantwortet, hebt sich sofort ab. Nennen Sie außerdem den Ort deutlich. „Elektriker in Bremen-Nord" wird gesucht, „Elektrofachkraft (m/w/d)" allein nicht.
Bewerbung in zwei Minuten möglich machen
Verlangen Sie kein Anschreiben und keinen lückenlosen Lebenslauf für den ersten Kontakt. Wer nach Feierabend auf dem Sofa sitzt und Ihre Anzeige liest, bewirbt sich jetzt oder nie. Machen Sie den ersten Schritt so klein wie möglich:
- Ein Kurzformular mit vier Feldern. Name, Telefonnummer, was Sie können, wann Sie erreichbar sind. Unterlagen kommen später.
- Eine Rückrufoption. „Wir rufen Sie an, wenn Sie möchten." Viele Handwerker:innen reden lieber, als zu schreiben.
- Eine Nachricht per Messenger. Wenn Sie den Kanal ohnehin nutzen, geht das gut, siehe unseren Beitrag zu WhatsApp Business im Kundenkontakt.
- Ein Ansprechname mit Gesicht. „Fragen? Rufen Sie Frau Meier an, 0421 ..." wirkt viel offener als eine bewerbung@-Adresse.
Und selbstverständlich muss das alles auf dem Handy funktionieren. Die meisten schauen unterwegs. Ein Formular, das auf 360 Pixel Breite nicht bedienbar ist, kostet Sie Bewerbungen. Warum kleine Hürden so große Wirkung haben, zeigen wir bei der Conversion-Optimierung.
Zeigen Sie den Betrieb, wie er ist
Stockfotos mit lachenden Menschen im Großraumbüro erkennt jeder. Sie schaden mehr, als sie nutzen. Fotografieren Sie stattdessen selbst: die Werkstatt, das Fahrzeug, das Team beim Frühstück, eine fertige Arbeit, auf die alle stolz sind.
Noch stärker wirken zwei bis drei Sätze von den Leuten, die schon da sind. „Ich bin seit sechs Jahren dabei, weil ..." sagt mehr als jede Aufzählung von Vorteilen. Fragen Sie Ihr Team, die meisten machen gern mit. Dieselben Bilder und Zitate funktionieren übrigens auch auf Ihrem Profil im Netz, siehe Social Media für Handwerksbetriebe. Einmal sammeln, mehrfach verwenden.
Beispiel: eine Karriereseite, die funktioniert
Nehmen wir einen Dachdeckerbetrieb mit zwölf Mitarbeitenden. Auf der Seite „Arbeiten bei uns" stehen: ein Foto vom Team vor der Halle, sechs Sätze über den Betrieb, der Tagesablauf von 7 bis 16 Uhr, das Einsatzgebiet im Umkreis von 40 Kilometern, ein Absatz über die Ausbildung und ein Zitat des jüngsten Gesellen.
Darunter zwei Kacheln: „Dachdecker:in gesucht" und „Ausbildungsplatz ab August". Beide führen auf eigene Seiten mit einem Kurzformular. Am Ende steht die Handynummer des Chefs mit dem Satz: „Rufen Sie einfach an, auch abends."
Damit Google Ihre Stelle überhaupt findet
Menschen suchen bei Google nach „Maler Job Bremen" oder „Ausbildung Tischler in der Nähe". Damit Ihre Seite dabei auftaucht, sind drei Dinge nötig:
- Beruf und Ort im Seitentitel. Nicht „Karriere", sondern „Dachdecker:in gesucht in Bremen".
- Eine eigene Adresse pro Stelle. Eine Sammelseite mit fünf Stellen kann nicht für fünf verschiedene Suchen ranken.
- Die passende technische Auszeichnung. Für Stellenanzeigen gibt es ein eigenes Format, mit dem Google Titel, Ort und Datum sicher erkennt. Wie das grundsätzlich funktioniert, erklären wir bei den strukturierten Daten.
Nehmen Sie außerdem die kostenlosen Kanäle mit. Ein Beitrag in Ihrem Google Unternehmensprofil erreicht Menschen aus der Umgebung, die Sie ohnehin schon kennen. Und wenn Sie Anzeigen schalten möchten, gilt dasselbe wie bei der Kundengewinnung: Erst muss die Zielseite überzeugen, dann lohnt Budget. Mehr dazu im Beitrag über Google Ads für lokale Betriebe.
Nach der Bewerbung zählt Ihr Tempo
Wer sich abends bewirbt, bewirbt sich meist bei mehreren Betrieben. Der erste, der sich meldet, hat einen großen Vorteil. Setzen Sie sich eine feste Regel: Rückmeldung innerhalb eines Werktags, und sei es nur der Anruf „Ich habe Ihre Nachricht, ich melde mich Freitag ausführlich."
Sagen Sie auch ab, freundlich und zügig. Ihr Ruf als Arbeitgeber spricht sich in einer Region schnell herum, in beide Richtungen.
Was Sie rechtlich beachten sollten
Formulieren Sie Stellenanzeigen geschlechtsneutral, üblich ist der Zusatz (m/w/d). Vermeiden Sie Angaben, die auf Alter, Herkunft, Religion oder Familienstand abzielen. Bewerbungsunterlagen sind personenbezogene Daten: Sie brauchen dafür eine Datenschutzerklärung, die den Bewerbungsprozess abdeckt, und Sie sollten Unterlagen nach Abschluss des Verfahrens innerhalb einer angemessenen Frist löschen. Diese Hinweise sind eine Orientierung und ersetzen keine Rechtsberatung.
Was das mit Ihrer restlichen Webseite zu tun hat
Eine gute Karriereseite hilft nicht nur bei der Personalsuche. Sie zeigt auch Kund:innen, dass hinter dem Betrieb Menschen stehen, die ihre Arbeit ernst nehmen. Umgekehrt gilt: Wenn Ihre Seite langsam lädt, auf dem Handy hakt oder seit Jahren nicht aktualisiert wurde, merken das Bewerbende genauso wie Auftraggeber. Der Fall für eine solide gebaute Webseite ist damit doppelt so stark, wie viele denken.
Fazit: Ihre nächsten Schritte
Sie müssen keine Karriereseite mit Videoproduktion bauen. Sie müssen die Fragen beantworten, die Bewerbende wirklich haben, und den ersten Schritt leicht machen:
- Legen Sie eine Seite „Arbeiten bei uns" an. Team, Tagesablauf, Einsatzgebiet, echte Fotos.
- Geben Sie jeder Stelle eine eigene Seite. Mit Beruf und Ort im Titel.
- Beantworten Sie die harten Fragen. Arbeitszeiten, Vergütungsrahmen, Fahrten, Ausstattung.
- Bauen Sie ein Kurzformular ein. Vier Felder, Rückrufoption, Ansprechperson mit Namen.
- Antworten Sie innerhalb eines Werktags. Auch wenn es nur eine Zwischennachricht ist.
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