Preise auf der Webseite zeigen oder verschweigen?
Kaum eine Frage spaltet Betriebsinhaber:innen so zuverlässig. Die einen fürchten, mit einer Zahl Kund:innen zu vergraulen oder dem Wettbewerb in die Karten zu schauen. Die anderen sind es leid, ständig Angebote für Leute zu schreiben, denen der Preis am Ende zu hoch ist. Beide Seiten haben recht. Die Lösung liegt dazwischen.
Warum diese Frage überhaupt gestellt wird
Der Preis ist für viele Menschen der erste Filter, nicht das letzte Argument. Wer einen Handwerksbetrieb sucht, will zuerst wissen, ob er überhaupt in der richtigen Liga sucht. Erst danach interessiert ihn, ob Sie sympathisch sind.
Das gilt besonders, seit Suchmaschinen und KI-Assistenten Antworten direkt liefern. Wer nach den Kosten einer Leistung in Ihrer Region fragt, bekommt heute eine zusammengefasste Antwort aus mehreren Quellen. Steht auf Ihrer Seite keine einzige Zahl, kommen Sie in dieser Antwort schlicht nicht vor. Wie diese Systeme Quellen auswählen, beschreiben wir im Beitrag zu Google AI Overviews.
Was passiert, wenn keine Zahl auf der Seite steht
Schweigen ist keine neutrale Position. Es hat Folgen, und die meisten davon arbeiten gegen Sie:
- Menschen schätzen selbst. Und sie schätzen meistens falsch. Manche halten Sie für zu teuer und fragen gar nicht erst an, andere erschrecken beim Angebot.
- Sie schreiben Angebote ins Leere. Jedes Angebot, das an der Preisvorstellung scheitert, war unbezahlte Arbeit.
- Fehlende Preise wirken auf manche unseriös. Wer nichts nennt, hat aus Kundensicht womöglich etwas zu verbergen.
- Der Wettbewerb erfährt es ohnehin. Ein Anruf als angeblicher Kunde genügt. Geheimhaltung schützt vor allem vor den eigenen Kund:innen.
Umgekehrt gilt: Eine Zahl auf der Seite reduziert die Zahl der Anfragen oft tatsächlich. Aber die verbleibenden Anfragen sind besser vorbereitet, und Sie gewinnen Zeit zurück.
Die eigentliche Frage lautet nicht: Preis zeigen oder nicht? Sondern: In welcher Form kann ich eine ehrliche Orientierung geben, ohne mich zu binden?
Vier Formen, eine Orientierung zu geben
Zwischen dem festen Preisschild und dem völligen Schweigen liegen mehrere Stufen. Wählen Sie die, die zu Ihrer Leistung passt.
| Form | Passt für | Beispiel |
|---|---|---|
| Fester Preis | Klar abgegrenzte, immer gleiche Leistungen | Inspektion, Erstberatung, Kurs, Behandlungseinheit |
| Ab-Preis | Leistungen mit klarer Untergrenze | Badsanierung ab einem bestimmten Betrag |
| Spanne | Alles, was stark vom Objekt abhängt | Typische Projekte liegen zwischen X und Y |
| Beispielrechnung | Komplexe Vorhaben mit vielen Faktoren | Ein Beispielobjekt mit allen Posten, klar als Beispiel gekennzeichnet |
Am stärksten wirkt fast immer die Beispielrechnung. Sie nennt eine Zahl und erklärt sie im selben Atemzug. Damit nehmen Sie der Zahl die Schärfe und zeigen gleichzeitig, dass Sie Ihr Handwerk durchdacht haben.
So sieht eine Beispielrechnung aus
Nehmen wir einen Malerbetrieb. Statt „Preise auf Anfrage" steht auf der Leistungsseite: „Ein Wohnzimmer mit 20 Quadratmetern Grundfläche, Wände zweifach gestrichen, Decke weiß, Abkleben und Abdecken inklusive, liegt in der Regel im mittleren dreistelligen Bereich. Dazu kommen Kosten, wenn Tapeten entfernt oder Risse gespachtelt werden müssen." Wer das liest, weiß, woran er ist.
Wie Sie eine Zahl erklären, statt sie nur zu nennen
Ein Preis ohne Erklärung ist nur ein Hindernis. Erst der Zusammenhang macht ihn verständlich. Schreiben Sie deshalb immer dazu:
- Was enthalten ist. Anfahrt, Material, Entsorgung, Nachbesserung, Garantie.
- Was den Preis nach oben treibt. Altbau, schwieriger Zugang, Wochenendtermin, Sonderwünsche.
- Was den Preis senkt. Eigenleistung, flexible Terminwahl, mehrere Räume auf einmal.
- Warum Sie nicht der billigste Anbieter sind. Ein Satz reicht, wenn er konkret ist: eigene Monteure statt Subunternehmen, Material einer bestimmten Güte, feste Ansprechperson.
Dieser letzte Punkt ist der wichtigste. Wer den Unterschied nicht erklärt, wird nur über den Preis verglichen. Und dieser Vergleich lässt sich gegen einen Billiganbieter nicht gewinnen.
Wann Schweigen doch die bessere Wahl ist
Es gibt Fälle, in denen eine Zahl mehr schadet als nützt. Etwa wenn Ihre Leistung so stark vom Einzelfall abhängt, dass jede Angabe in die Irre führt. Oder wenn Sie in einem Bereich arbeiten, in dem Preisangaben berufsrechtlich geregelt oder eingeschränkt sind, wie in einigen Heilberufen und bei manchen freien Berufen.
Auch dann gilt aber: Sagen Sie etwas. Wer keine Zahl nennen kann, nennt einen Rahmen. Zum Beispiel: „Wir arbeiten nach der geltenden Gebührenordnung, das Erstgespräch kostet Sie nichts." Oder: „Kleinere Reparaturen rechnen wir nach Aufwand ab, größere Vorhaben immer zum Festpreis nach Ortstermin." Das ist keine Zahl, aber es beantwortet die eigentliche Frage: Womit muss ich rechnen und wie kommt der Preis zustande?
Rechtliches in Kürze
Wenn Sie Preise gegenüber Verbraucher:innen angeben, gelten in Deutschland bestimmte Regeln, unter anderem aus der Preisangabenverordnung. Üblich sind vor allem diese Punkte: Der Endpreis wird einschließlich Umsatzsteuer angegeben. Zusätzliche Kosten wie Anfahrt oder Versand werden genannt. Bei Leistungen nach Zeit ist klar, worauf sich der Stundensatz bezieht. Wenn Sie als Kleinunternehmen keine Umsatzsteuer ausweisen, gehört auch das dazu.
Im Geschäftskundenbereich sind Nettopreise üblich, dann muss die Angabe entsprechend gekennzeichnet sein. Diese Übersicht ist eine erste Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Im Zweifel lassen Sie Ihre Preisdarstellung einmal fachkundig prüfen, das ist schneller erledigt als gedacht.
Preise pflegen, damit sie nicht zur Falle werden
Die größte Sorge vieler Betriebe ist nicht die Zahl selbst, sondern die veraltete Zahl. Material wird teurer, Löhne steigen, und auf der Webseite steht noch der Preis von vorletztem Jahr. Dagegen helfen drei einfache Gewohnheiten:
- Ein fester Termin im Kalender, zweimal im Jahr, an dem Sie alle Zahlen auf der Webseite durchgehen.
- Ein Stand-Hinweis direkt an der Preisangabe: „Preise gültig ab Januar 2026." Das schafft Klarheit und schützt Sie.
- Alle Preise an einer Stelle, statt verstreut über zehn Seiten. Was Sie nicht wiederfinden, aktualisieren Sie nicht.
Ein Satz, der die Angabe zusätzlich absichert, ist ebenfalls üblich: „Die genannten Beträge sind Richtwerte. Ihr verbindliches Angebot erhalten Sie nach dem Ortstermin."
Wo die Preise hingehören
Legen Sie eine eigene Seite an, auf der alles zusammensteht, und verlinken Sie sie aus der Navigation. Menschen suchen aktiv danach. Zusätzlich gehört die passende Angabe auf jede Leistungsseite, dorthin, wo die Leistung beschrieben wird.
Die Preisfrage ist außerdem ein Pflichteintrag in Ihrer FAQ-Seite, denn sie wird ohnehin gestellt. Und direkt darunter gehört der nächste Schritt: ein Link zum Kontaktformular oder eine klar formulierte Handlungsaufforderung. Wer gerade einen Preis akzeptiert hat, ist bereit anzufragen. Diesen Moment sollten Sie nicht verstreichen lassen.
Wie wir Leistungen strukturieren, sehen Sie auf unserer Leistungsübersicht. Dort erklären wir die möglichen Bausteine, während der konkrete Umfang im persönlichen Angebot festgehalten wird. Mehr zur Kalkulation aus Kundensicht erklärt der Beitrag zu den Kosten einer Webseite.
Der Preis ist selten das eigentliche Problem
Wenn Interessenten regelmäßig beim Preis abspringen, liegt es meistens nicht an der Höhe, sondern am fehlenden Wert davor. Sie haben nicht verstanden, wofür sie zahlen. Bevor Sie also am Preis drehen, prüfen Sie die Reihenfolge auf Ihrer Seite: Erst der Nutzen, dann Belege wie Referenzen und Bewertungen, dann der Preis.
Genau diese Reihenfolge ist die Arbeit, die wir in der Conversion-Optimierung machen. Und sie erklärt, warum zwei Betriebe mit fast identischen Preisen völlig unterschiedlich viele Aufträge gewinnen.
Fazit
Völliges Schweigen kostet Sie mehr, als eine ehrliche Zahl je kosten würde. So gehen Sie es an:
- Wählen Sie pro Leistung die passende Form: Festpreis, Ab-Preis, Spanne oder Beispielrechnung.
- Schreiben Sie zu jeder Zahl, was enthalten ist und was sie nach oben oder unten bewegt.
- Erklären Sie in einem konkreten Satz, warum Sie nicht der billigste Anbieter sind.
- Setzen Sie einen Stand-Hinweis daneben und prüfen Sie alle Zahlen zweimal im Jahr.
- Stellen Sie direkt unter die Preisangabe den nächsten Schritt zur Anfrage.
Wie viele Anfragen lässt Ihre Webseite liegen?
Der Anfragen-Potenzial-Rechner zeigt in wenigen Minuten, was in Ihrer Region für Sie drin ist.