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Prompt Engineering

Lexikon Gezieltes Formulieren von KI-Anweisungen 4 Min. Lesezeit
Kurz erklärt

Prompt Engineering ist das gezielte Formulieren von Anweisungen an ein KI-System wie ChatGPT. Wer angibt, welche Rolle die KI einnehmen soll, für wen der Text gedacht ist, wie lang er werden darf und in welchem Ton er klingen soll, bekommt ein deutlich brauchbareres Ergebnis als mit einer einzeiligen Frage. Ein mitgeliefertes Beispiel wirkt dabei stärker als jede zusätzliche Erklärung.

Was das genau bedeutet

Denken Sie an eine Bäckerei, die morgens eine neue Aushilfe an den Verkaufstresen stellt. Sagt die Chefin nur „Bedien mal", passiert irgendetwas. Freundlich vermutlich, aber ohne zu wissen, welches Gebäck heute zuerst weg soll, wie das Kartengerät klemmt und dass die Dame mit dem Rollator immer zwei Schrippen extra bekommt. Nennt die Chefin dagegen in drei Sätzen die Reihenfolge, den Ton und die eine Ausnahme, läuft der Vormittag. Ein KI-System ist genau diese Aushilfe: schnell, geduldig, unermüdlich und ohne die geringste Vorkenntnis über Ihren Betrieb.

Eine brauchbare Anweisung beantwortet deshalb fünf Dinge, bevor die eigentliche Aufgabe kommt. Wer schreibt (die Rolle), was entstehen soll (die Aufgabe), für wen (die Leserschaft), wie viel (der Umfang), und wie es klingen soll (der Ton). „Schreib mir einen Text über unsere Backwaren" erfüllt keinen dieser Punkte. „Du bist Verkäuferin in einer Landbäckerei. Schreib acht Zeilen für die Tafel am Eingang, für Laufkundschaft, sachlich und ohne Ausrufezeichen" erfüllt alle fünf.

Der wirksamste Zusatz ist aber kein Adjektiv, sondern ein Muster. Hängen Sie einen Absatz an, den Sie selbst geschrieben haben, und ergänzen Sie: „So klingen wir." Ein Sprachmodell erkennt Muster besser, als es Beschreibungen umsetzt. Das Wort Engineering klingt nach Technik. Gemeint ist nichts weiter als Genauigkeit beim Auftragerteilen.

Warum das für Ihr Unternehmen zählt

Der Unterschied zeigt sich nicht daran, ob eine Antwort kommt. Sie kommt immer. Er zeigt sich daran, wie viel Sie danach noch nacharbeiten. Eine Antwort auf eine schlechte Bewertung, ein Angebotstext, eine Stellenanzeige: Mit einer sauberen Anweisung ist das Ergebnis in zwei Minuten so weit, dass Sie nur noch prüfen. Ohne sie sitzen Sie zwanzig Minuten daran, das Glatte wieder herauszuschreiben.

Der zweite Gewinn ist Wiederverwendbarkeit. Eine Anweisung, die Ihren Betrieb, Ihre Kundschaft und Ihren Tonfall beschreibt, schreiben Sie einmal auf. Danach setzen Sie sie vor jede neue Aufgabe. Das ist der eigentliche Zeitgewinn, nicht der einzelne clevere Satz.

Und drittens behalten Sie die Verantwortung dort, wo sie hingehört. Zahlen, Preise, Fristen und Leistungen liefern Sie mit. Was Sie nicht mitliefern, füllt das System notfalls selbst aus, und zwar in vollkommen überzeugendem Ton.

So gehen Sie vor

  1. Diktieren Sie den Auftrag, als stünde eine Aushilfe vor Ihnen. Rolle, Aufgabe, für wen, wie lang, welcher Ton. Fünf Halbsätze genügen. Wer das laut sagt, formuliert automatisch vollständiger als beim Tippen.
  2. Legen Sie die harten Angaben dazu. Preise, Öffnungszeiten, Ortsnamen, Fristen, Ihre genaue Firmierung. Alles, was das System nicht von Ihnen bekommt, erfindet es notfalls. Wollen Sie ganze Dokumente dauerhaft anbinden, ist das ein technischer Schritt, bei dem jemand mit IT-Erfahrung helfen sollte.
  3. Hängen Sie ein eigenes Beispiel an. Ein Absatz aus einer alten Mail, ein Aushang, den Sie mögen. Dazu der Satz: „Bitte in dieser Machart." Das ersetzt drei Sätze Beschreibung.
  4. Fordern Sie drei Fassungen und wählen Sie aus. Verlangen Sie ausdrücklich, dass sie sich unterscheiden sollen. Auswählen fällt fast allen leichter als Kritisieren, und Sie sehen sofort, welche Richtung zu Ihnen passt.
  5. Legen Sie eine Datei mit Ihren fünf Standardanweisungen an. Eine schlichte Textdatei reicht. Bewertungsantwort, Angebotstext, Social-Beitrag, Stellenanzeige, Kundenmail. Was einmal gut lief, kopieren Sie hinein und ändern beim nächsten Mal nur den Anlass.

Typische Fehler

Vier Fragen, die in Gesprächen fast immer an derselben Stelle kommen.

Muss ich dafür programmieren können?

Nein. Sie schreiben deutsche Sätze in ein Eingabefeld. Der Begriff Engineering ist irreführend, er stammt aus der Entwicklerwelt. Wer einer Aushilfe einen Arbeitsauftrag erklären kann, kann auch einen Prompt schreiben.

Warum kommt bei derselben Frage jedes Mal etwas anderes heraus?

Weil ein Sprachmodell Wort für Wort abschätzt, was als Nächstes passt, und dabei bewusst nicht immer dieselbe Wahl trifft. Das lässt sich nicht abschalten. Sie können die Schwankung aber eingrenzen: Je enger Aufgabe, Umfang und Beispiel gefasst sind, desto ähnlicher fallen die Fassungen aus.

Darf ich Kundendaten in das Eingabefeld schreiben?

Gehen Sie davon aus, dass alles, was Sie dort hineinschreiben, Ihren Betrieb verlässt. Namen, Adressen, Krankheitsbilder oder Vertragsdetails gehören deshalb nicht ungeprüft hinein. Anonymisieren Sie: „ein Kunde beschwert sich über eine verspätete Lieferung" genügt vollkommen als Ausgangslage.

Reicht nicht eine fertige Prompt-Sammlung aus dem Netz?

Als Gerüst gern. Nur beschreiben diese Vorlagen einen erfundenen Durchschnittsbetrieb, und genau so klingt das Ergebnis dann auch. Der Teil, der eine Prompt-Sammlung wertvoll macht, ist der, den nur Sie beisteuern können: Ihre Leistungen, Ihr Einzugsgebiet, Ihre Art zu reden.

Verwandte Begriffe

Wie wir damit umgehen

Wir verteilen keine Listen mit hundert Zauberformeln. Wenn ein Betrieb anfangen will, setzen wir uns hin und schreiben gemeinsam einen einzigen Absatz: wer Sie sind, wen Sie bedienen, was Sie nie sagen würden. Diesen Absatz stellen Sie danach jeder Anweisung voran, und schon der erste Entwurf klingt nach Ihnen statt nach Prospekt. Danach lohnen sich fünf gespeicherte Standardaufträge für die Aufgaben, die bei Ihnen wöchentlich anfallen. Mehr braucht kein kleiner Betrieb.

Womit fängt man sinnvoll an?

Der Beitrag daneben zeigt, welche KI-Werkzeuge sich in kleinen Betrieben wirklich bezahlt machen und welche nur Zeit fressen. Mit Ihrer Webseite hat das nichts zu tun. Für die gibt es den Sichtbarkeits-Check, der sie technisch und inhaltlich durchgeht.

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