Matomo oder Google Analytics: welche Statistik zu Ihnen passt
Irgendwann kommt die Frage: Wie viele Leute besuchen eigentlich meine Webseite? Zwei Antworten sind besonders verbreitet, Google Analytics und Matomo. Sie unterscheiden sich weniger in den Zahlen als in der Frage, wem die Daten gehören und wie viel Aufwand Sie damit haben. Hier steht, was für kleine Betriebe zählt.
Was ein Statistik-Werkzeug überhaupt beantwortet
Bevor Sie sich für ein Werkzeug entscheiden, sollten Sie wissen, welche Fragen Sie damit beantworten wollen. Für die meisten regionalen Betriebe sind es genau diese vier:
- Wie viele Menschen besuchen meine Seite, und wird es mehr oder weniger?
- Woher kommen sie: aus der Google-Suche, aus dem Unternehmensprofil, von Social Media oder über Direkteingabe?
- Welche Seiten werden gelesen und welche ignoriert?
- Wie viele Anfragen entstehen daraus, über Formular, Anruf oder Terminbuchung?
Beide Werkzeuge können das. Wenn Ihnen jemand erzählt, eines davon sei dafür zu schwach, geht es meist um Funktionen, die Sie ohnehin nie öffnen. Übrigens beantwortet keines der beiden die Frage, wonach die Leute bei Google gesucht haben. Dafür brauchen Sie die Google Search Console.
Google Analytics in kurz
Google Analytics ist die aktuelle Generation des bekanntesten Statistik-Werkzeugs der Welt. Es ist in der für kleine Betriebe relevanten Variante kostenlos, in wenigen Minuten eingebaut und lässt sich mit Google Ads und der Search Console verbinden.
Die Daten liegen bei Google. Ausgewertet wird nicht jeder einzelne Besuch, sondern ein Modell: Google rechnet fehlende Werte hoch, wenn Einwilligungen fehlen oder Browser blockieren. Für große Zahlen ist das brauchbar. Bei einer Handwerksseite mit zweihundert Besuchen im Monat kann diese Hochrechnung die Ergebnisse allerdings merklich verzerren.
Der zweite Punkt betrifft die Bedienung. Die heutige Oberfläche ist auf Online-Shops und große Marketing-Teams zugeschnitten. Vieles heißt anders als früher, Berichte muss man sich teils selbst zusammenbauen. Wer nur wissen will, ob die Anfragen steigen, verirrt sich hier leicht.
Matomo in kurz
Matomo ist ein quelloffenes Statistik-Werkzeug aus Neuseeland. Quelloffen heißt: Der Programmcode ist öffentlich einsehbar. Es gibt zwei Wege, es zu nutzen. Bei der Variante zum Selbstbetreiben installieren Sie Matomo auf Ihrem eigenen Webspace, die Software selbst ist kostenfrei. Bei der Cloud-Variante betreibt Matomo das für Sie gegen eine monatliche Gebühr, wahlweise auf Servern in der EU.
Der wesentliche Unterschied: Die Daten gehören Ihnen und liegen dort, wo Sie es festlegen. Matomo zählt außerdem im Normalfall die tatsächlichen Zugriffe, ohne Modellrechnung. Und es lässt sich so einstellen, dass es ohne Cookies arbeitet.
Dafür gilt: Beim Selbstbetreiben tragen Sie die Verantwortung für Updates, Backups und Serverlast. Das ist kein Drama, aber es ist Arbeit, die jemand machen muss.
Der Kern des Unterschieds: Google Analytics ist bequem und kostenlos, dafür liegen Ihre Besuchsdaten bei einem Konzern, der damit auch eigene Ziele verfolgt. Matomo verlangt etwas mehr Sorgfalt, dafür behalten Sie die Kontrolle.
Datenschutz: der Punkt, an dem es unangenehm wird
Beide Werkzeuge verarbeiten personenbezogene Daten, sobald sie Besucher:innen wiedererkennen. Für den Einsatz in Deutschland bedeutet das im Regelfall: Sie brauchen eine Einwilligung, bevor die Messung startet, Sie brauchen einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung und Sie müssen die Verarbeitung in Ihrer Datenschutzerklärung beschreiben.
Bei Google Analytics kommt hinzu, dass Daten in die USA übermittelt werden können. Die rechtliche Bewertung dieser Übermittlung war in den vergangenen Jahren mehrfach in Bewegung und ist bis heute ein Streitthema. Bei Matomo im Selbstbetrieb entfällt der Punkt, weil die Daten Ihren Server nie verlassen.
Matomo lässt sich zudem in eine Betriebsart schalten, die auf Cookies verzichtet und IP-Adressen kürzt. Je nach Einrichtung und Aufsichtsbehörde kann eine Messung dann sogar ohne Einwilligung zulässig sein. Verlassen Sie sich hier bitte nicht auf einen Blogbeitrag: Dieser Artikel informiert allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung. Lassen Sie Ihre konkrete Einrichtung von einer Fachperson prüfen.
Der Einwilligungs-Effekt, den viele übersehen
Egal welches Werkzeug: Wenn Ihre Messung erst nach der Zustimmung im Banner startet, sehen Sie nur einen Teil Ihrer Besucher:innen. Ein spürbarer Anteil klickt „Ablehnen" oder schließt das Fenster einfach. Diese Menschen tauchen in Ihrer Statistik nicht auf.
Praktisch heißt das: Ihre Zahlen sind kleiner als die Wirklichkeit. Das ist kein Problem, solange Sie es wissen und die Entwicklung im Zeitverlauf betrachten statt einzelne Absolutwerte. Welche Auswege es gibt, beschreiben wir im Beitrag Messen ohne Cookies.
Der direkte Vergleich
| Kriterium | Google Analytics | Matomo |
|---|---|---|
| Kosten | Für kleine Betriebe kostenlos | Selbstbetrieb kostenfrei, Cloud gegen Gebühr |
| Wo liegen die Daten | Bei Google, Übermittlung in Drittländer möglich | Auf Ihrem Server oder in der EU-Cloud |
| Einrichtung | Sehr schnell, ein Code-Schnipsel | Cloud ähnlich schnell, Selbstbetrieb aufwendiger |
| Pflege | Keine | Updates und Backups beim Selbstbetrieb |
| Bedienung | Umfangreich, für Einsteiger unübersichtlich | Näher an klassischen Berichten, leichter zugänglich |
| Zählweise | Teils modelliert und hochgerechnet | Im Normalfall tatsächliche Zugriffe |
| Ohne Cookies nutzbar | Nur eingeschränkt | Ja, als Betriebsart vorgesehen |
| Verbindung zu Google Ads | Direkt und nahtlos | Über Umwege |
Welche Wahl zu welchem Betrieb passt
Matomo passt zu Ihnen, wenn Datenschutz für Sie ein Verkaufsargument oder eine Berufspflicht ist. Praxen, Kanzleien, Steuerberatungen, Vereine und alle, die mit sensiblen Daten arbeiten, fahren damit ruhiger. Auch wenn Sie kleine Besucherzahlen haben und jeden einzelnen Besuch wirklich zählen wollen, ist Matomo die ehrlichere Wahl.
Google Analytics passt zu Ihnen, wenn Sie Google Ads schalten und sehen wollen, welche Anzeige zu welcher Anfrage führt. Auch wenn Ihre Webseite von jemandem betreut wird, der ohnehin täglich mit Google-Werkzeugen arbeitet, spricht das dafür.
Und wenn beides zu viel ist: Es ist keine Schande, gar kein Statistik-Werkzeug einzusetzen. Ein Betrieb mit fünfzig Besuchen im Monat lernt aus der Search Console, aus den Zahlen im Google Unternehmensprofil und aus der schlichten Frage am Telefon „Wie sind Sie auf uns gekommen?" oft mehr als aus einem Diagramm. Weniger Werkzeuge bedeuten außerdem weniger Rechtsrisiko und eine schnellere Seite, was wiederum den Core Web Vitals zugutekommt.
Ein Fehler, den beide Werkzeuge nicht verhindern
Viele Betriebe richten die Statistik ein und schauen dann auf Besucherzahlen. Besucherzahlen sind aber nur eine Zwischengröße. Was zählt, sind Anfragen. Legen Sie deshalb von Anfang an fest, was als Erfolg gilt: ein abgeschicktes Kontaktformular, ein Klick auf die Telefonnummer, eine gebuchte Terminanfrage. Beide Werkzeuge können solche Ereignisse zählen, und erst dann werden die Zahlen interessant.
Wie Sie die Zahlen danach richtig deuten, ohne sich von Absprungrate und Verweildauer in die Irre führen zu lassen, steht im Beitrag Absprungrate und Verweildauer richtig deuten. Und wenn aus Besuchen zu selten Anfragen werden, liegt das meist an der Seite selbst. Dann hilft Conversion-Optimierung mehr als jedes weitere Werkzeug.
Fazit: Ihre nächsten Schritte
Die Entscheidung ist keine Glaubensfrage. Sie hängt daran, wie sensibel Ihre Branche ist und wer die Technik pflegt.
- Zuerst die Search Console einrichten. Sie ist kostenlos, datenschutzrechtlich unkritisch und beantwortet die wichtigsten Fragen.
- Ziele festlegen, bevor Sie messen. Formular, Telefonklick, Terminbuchung: Schreiben Sie auf, was ein Erfolg ist.
- Bei sensiblen Branchen zu Matomo greifen. Praxen, Kanzleien und Vereine fahren mit Daten im eigenen Haus deutlich ruhiger.
- Nur ein Werkzeug einsetzen. Zwei parallele Statistiken liefern zwei verschiedene Zahlen und doppelte Rechtsfragen.
- Die Einrichtung rechtlich prüfen lassen. Einwilligung, Auftragsverarbeitung und Datenschutzerklärung müssen zusammenpassen.
Zahlen sind schön, Anfragen sind besser
Wir richten Statistik so ein, dass Sie am Ende sehen, was zählt: wie viele Anfragen Ihre Webseite bringt. Sprechen Sie unverbindlich mit uns darüber.