Zero-Click-Suche
Von einer Zero-Click-Suche spricht man, wenn die Antwort bereits auf der Ergebnisseite steht und niemand mehr eine Webseite öffnet. Öffnungszeiten, Telefonnummern, Adressen oder kurze Definitionen zeigt Google direkt an. Der Kontakt zur Kundschaft findet dabei trotzdem statt, nur eben nicht auf Ihrer Seite, sondern in dem Kasten, den Google aus Ihren Angaben zusammenstellt.
Was das genau bedeutet
Vor einer Schuhmacherei hängt ein Schild im Fenster: „Absätze über Nacht, Annahme bis 16 Uhr, dienstags Ruhetag." Ein Mann bleibt kurz stehen, liest, geht weiter. Er ist nicht hereingekommen, und der Schuhmacher wird nie erfahren, dass er da war. Trotzdem hat der Mann genau das erfahren, was er wissen wollte, und kommt womöglich am Donnerstag mit seinen Stiefeln wieder. Das Schild hat gearbeitet, nicht der Laden.
Diesen Aushang stellt Google heute selbst zusammen, aus dem, was es über Sie findet. Mal ist es der Kasten rechts neben den Treffern mit Adresse und Zeiten, mal ein herausgezogener Absatz von einer Webseite, mal eine Karte mit drei Betrieben darauf. Für die suchende Person ist die Sache damit erledigt. Für Sie heißt das: Ihr Schaufenster steht nicht mehr nur an Ihrer Straße.
Der Begriff meint also keine neue Technik, sondern eine Verschiebung. Früher war die Trefferliste ein Wegweiser zu Seiten, heute ist sie vielerorts selbst das Ziel. Und wie beim Schild im Fenster gilt: Ist es verblasst oder steht Falsches darauf, merken Sie es nicht, weil niemand hereinkommt und nachfragt.
Warum das für Ihr Unternehmen zählt
Die erste Folge ist eine unangenehme: Ihre Besucherzahlen können sinken, obwohl Sie besser gefunden werden als vorher. Wer allein die Klicks auf der eigenen Seite betrachtet, hält das für einen Absturz und ändert dann meist genau das Falsche.
Die zweite Folge ist die wichtigere. Die wenigen Zeilen, die ohne Klick zu sehen sind, entscheiden über den Anruf. Steht dort eine alte Telefonnummer, sind es nicht ein paar Prozent weniger Besucher, sondern schlicht kein Gespräch. Am Feiertag mit falscher Zeitangabe steht jemand vor verschlossener Tür, und das endet erfahrungsgemäß in einer Bewertung.
Die dritte Folge ist die gute: Diese Fläche gehört Ihnen. Anders als bei einer Anzeige zahlen Sie dafür nichts, und anders als bei der Reihenfolge der Treffer bestimmen Sie den Inhalt selbst, indem Sie Ihre Angaben pflegen.
So gehen Sie vor
- Sehen Sie sich Ihren eigenen Aushang an. Suchen Sie am Handy nach Ihrem Firmennamen und danach nach Ihrer Leistung mit Ortsnamen. Nutzen Sie ein privates Fenster, sonst zeigt Ihnen der Browser Ihre eigene Vorgeschichte. Alles, was ohne Scrollen zu sehen ist, ist der Teil, um den es hier geht.
- Räumen Sie das Google-Unternehmensprofil auf. Zeiten, Feiertage, Telefonnummer, Leistungen, aktuelle Fotos. Das ist die Quelle für den größten Teil dessen, was ohne Klick erscheint, und Sie können es selbst bearbeiten, sobald der Eintrag Ihnen bestätigt zugeordnet ist.
- Beantworten Sie die drei Fragen, die Sie täglich am Telefon hören. Jede als Überschrift, darunter zwei knappe Sätze mit der vollständigen Antwort. Kostet die Anfahrt extra? Bekommt man kurzfristig einen Termin? Genau solche Absätze zieht Google heraus.
- Machen Sie das Handeln leicht. Telefonnummer als anklickbare Nummer, nicht als Bild. Adresse in Textform. Wer ohne Klick genug weiß, will als Nächstes anrufen oder losfahren, und das darf keine Sucherei werden.
- Ändern Sie Ihren Maßstab. Zählen Sie Anrufe, Routenabfragen und Profilaufrufe mit, nicht nur Seitenaufrufe. Diese Zahlen stehen in der Statistik Ihres Google-Profils. Die Verbindung zur Search Console muss dagegen eingerichtet werden, das übernimmt die Person, die Ihre Webseite betreut.
Typische Fehler
Vier Schlüsse, die aus dieser Entwicklung gern gezogen werden und in die falsche Richtung führen.
Wenn niemand mehr klickt, brauche ich dann überhaupt eine Webseite?
Ja, und zwar mehr denn je. Der Kasten ohne Klick wird aus Quellen gespeist, und Ihre Webseite ist die wichtigste davon. Ohne sie gibt es nichts, aus dem eine Antwort gebaut werden könnte, und Sie überlassen die Auskunft über Ihren Betrieb Portalen, die Sie nicht kennen.
Meine Besucherzahlen sinken, mache ich etwas falsch?
Nicht unbedingt. Schauen Sie zuerst, ob gleichzeitig die Anrufe und Routenabfragen steigen. Ist das so, wurde Ihre Auskunft nur an eine andere Stelle verlagert. Erst wenn beides zusammen fällt, ist es ein echtes Problem.
Kann ich Google verbieten, meine Öffnungszeiten direkt anzuzeigen?
Praktisch nicht, und es wäre auch nicht in Ihrem Interesse. Wer die Zeiten nicht sieht, ruft nicht an, sondern nimmt den nächsten Betrieb. Steuern können Sie nur, ob die angezeigten Angaben stimmen. Genau daran sollten Sie arbeiten.
Lohnen sich Inhalte, die ohnehin nur als Kurzantwort erscheinen?
Ja, denn genannt wird die Quelle meistens mit. Viele Menschen lesen die Antwort, merken sich den Namen darunter und suchen später gezielt danach. Diesen Umweg zeigt keine Besucherstatistik, spürbar ist er trotzdem.
Verwandte Begriffe
Wie wir damit umgehen
Bei diesem Thema fangen wir mit einem Bildschirmfoto an. Wir suchen nach Ihrem Betrieb, fotografieren ab, was ohne Scrollen zu sehen ist, und gehen die Angaben Zeile für Zeile mit Ihnen durch. Nummer, Zeiten, Feiertage, Leistungen, Foto, Bewertungssterne. Erstaunlich oft stimmt eine dieser Zeilen nicht mehr, und niemand hatte Anlass, es zu bemerken. Was hier falsch steht, ist der teuerste Fehler, den man in zehn Minuten beheben kann.
Was steht über Sie in der Antwort?
Der Beitrag daneben nimmt Googles Antworttexte auseinander und zeigt, woher sie ihre Angaben ziehen. Der Sichtbarkeits-Check sieht sich stattdessen Ihre eigene Seite an: Titel, Überschriften, strukturierte Daten, Ladezeit.