Anleitung aus dem Campus

Social Media: womit anfangen, wenn die Zeit knapp ist

Ein Kanal, den Sie durchhalten, ist mehr wert als vier, die nach sechs Wochen einschlafen. Diese Anleitung hilft Ihnen, den richtigen auszuwählen und einen Monatsplan zu bauen, der in Ihren Betriebsalltag passt.

Dauer: etwa 45 Minuten Schwierigkeit: leicht Stand: August 2026 9 Schritte
Bitte lesen Sie das einmal. Die Oberflächen und Funktionen der Netzwerke ändern sich laufend, und was heute gut läuft, kann in einem Jahr anders heißen. Deshalb steht hier vor allem, wie Sie entscheiden und wie Sie sich organisieren. Für die technischen Handgriffe gilt immer die offizielle Hilfe des jeweiligen Anbieters, die wir unten verlinken. Stand dieser Anleitung: August 2026.

1Worum es geht

Die meisten kleinen Betriebe scheitern bei Social Media nicht am Können, sondern an der Menge. Es wird ein Instagram-Konto angelegt, dazu Facebook, weil das ja alle haben, und irgendwann noch TikTok, weil die Tochter gesagt hat, dass man da sein muss. Nach zwei Monaten ist überall Stillstand, und drei tote Profile stehen im Netz, die schlechter wirken als gar keines.

Nach dieser Anleitung haben Sie einen Kanal bewusst ausgewählt, ein realistisches Zeitbudget festgelegt und einen fertigen Plan für den kommenden Monat. Und Sie wissen, welche Kanäle Sie mit gutem Gewissen weglassen dürfen.

Die Erlaubnis vorweg Sie müssen nicht überall sein. Für viele Betriebe, besonders für solche mit älterer Kundschaft oder rein regionalem Geschäft, bringt ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil mehr als jedes soziale Netzwerk. Wenn Sie nur für eine Sache Zeit haben, nehmen Sie das.

2Was Sie vorher brauchen

Wenig, aber das ehrlich.

  • 1Eine ehrliche Antwort auf die Frage nach der Zeit. Nicht, wie viel Sie gern hätten, sondern wie viel Sie im nächsten halben Jahr sicher aufbringen. Für die meisten Betriebe sind das ein bis zwei Stunden im Monat.
  • 2Ein Smartphone mit Kamera. Mehr Technik brauchen Sie nicht. Keine Spiegelreflex, kein Ringlicht, kein Schnittprogramm.
  • 3Eine Person, die es macht. Eine, nicht „das Team“. Wenn niemand namentlich zuständig ist, passiert es nicht.
  • 4Ein geschäftliches Konto für die Anmeldung, keine private Adresse einer Aushilfe. Warum das wichtig ist, steht in Meta Business.
  • 5Klarheit über das Impressum. Auch Profile in sozialen Netzwerken brauchen in Deutschland eine Anbieterkennzeichnung. Kurzer Überblick in Impressumspflicht. Verbindlich klärt das Ihre Rechtsberatung.
  • 6Vierzig Minuten am Stück. Die Entscheidung und der erste Monatsplan sind an einem Nachmittag zu schaffen.

Welcher Kanal passt zu wem

Wählen Sie nach Ihrer Kundschaft, nicht danach, worüber gerade geredet wird. Die Zahlen und Funktionen der Netzwerke ändern sich, die Frage „wo ist meine Kundschaft“ bleibt.

Instagram

Bilder und kurze Videos. Stark, wenn Ihre Arbeit sichtbare Ergebnisse hat und wenn Ihre Kundschaft grob zwischen zwanzig und fünfzig ist.

Passt gutFriseur, Kosmetik, Gastronomie, Bäckerei, Floristik, Innenausbau, Fotografie, Einzelhandel, Fitness.
Passt eher nichtErklärungsbedürftige Dienstleistungen ohne Bilder, sehr formelle Branchen, Kundschaft über siebzig.

Facebook

Wird oft belächelt und ist in vielen Regionen trotzdem der Ort, an dem Nachbarschaft und Vereine unterwegs sind. Örtliche Gruppen bringen manchmal mehr als das eigene Profil.

Passt gutHandwerk, Vereine, Veranstaltungen, ländliche Regionen, Kundschaft ab vierzig, Stellenanzeigen.
Passt eher nichtJunge Zielgruppen, rein visuelle Marken, wenn Sie keine Zeit für Kommentare haben.

TikTok

Kurze Videos, die sich auch ohne Follower verbreiten können. Handwerk und Gastronomie haben hier echte Vorteile, weil Zuschauen bei echter Arbeit funktioniert.

Passt gutHandwerk mit sichtbarem Ergebnis, Küche, Werkstatt, Reparaturen, Ausbildungsbetriebe auf Nachwuchssuche.
Passt eher nichtWenn niemand im Betrieb Freude an Video hat. Ohne diese Freude wird es zäh. Details in TikTok für Unternehmen.

LinkedIn

Der Ort für Geschäftskundschaft und für Personalsuche im kaufmännischen und technischen Bereich.

Passt gutSteuerberatung, IT, Beratung, Bau im gewerblichen Bereich, Zulieferer, alle, die Fachkräfte suchen.
Passt eher nichtReines Privatkundengeschäft wie Friseur, Restaurant oder Fußpflege.

WhatsApp

Kein klassisches soziales Netzwerk, aber für viele Betriebe der wirksamste Kanal überhaupt, weil Kundschaft dort ohnehin schreibt. Rückfragen, Terminabsprachen, Fotos vom Schaden.

Passt gutFast jeder Betrieb mit Terminen oder Rückfragen. Ausführlich in WhatsApp Business.
Passt eher nichtWenn niemand zeitnah antworten kann. Datenschutz vorher klären.

3Die Schritte

Haken Sie ab, was erledigt ist. Ihr Stand wird in diesem Browser gespeichert.

0 von 9 Schritten erledigt
  1. 1

    In einem Satz aufschreiben, wen Sie erreichen wollen

    Nehmen Sie einen Zettel und schreiben Sie einen Satz. Zum Beispiel: „Familien aus dem Stadtteil, die eine Badsanierung planen.“ Oder: „Junge Leute aus der Region, die eine Ausbildung suchen.“ Oder: „Betriebe im Umkreis von dreißig Kilometern, die eine Buchhaltung abgeben wollen.“

    Dieser Satz entscheidet alles Weitere. Wenn Sie ihn nicht formulieren können, hilft Ihnen kein Kanal.

    Zwei Zielgruppen sind eine zu viel Kundschaft und Nachwuchs sind verschiedene Welten und brauchen verschiedene Inhalte. Entscheiden Sie sich für dieses Jahr für eine. Die andere kommt später dran.
  2. 2

    Ihr Zeitbudget ehrlich festlegen

    Legen Sie fest, wie viel Zeit im Monat sicher da ist, und tragen Sie den Termin sofort in den Kalender ein. Nicht „irgendwann abends“, sondern zum Beispiel „jeden ersten Dienstag, 15 bis 16 Uhr“.

    • Eine Stunde im Monat: zwei Beiträge. Das ist wenig, aber es ist ehrlich und es trägt.
    • Zwei Stunden im Monat: vier Beiträge plus Antworten auf Kommentare. Das ist für die meisten Betriebe die richtige Größe.
    • Vier Stunden im Monat: ein Kanal mit Video, wöchentlich. Nur zusagen, wenn jemand es wirklich gern macht.
  3. 3

    Genau einen Kanal wählen

    Gehen Sie die Übersicht oben durch und wählen Sie den Kanal, an dem Ihr Satz aus Schritt 1 andockt. Einen. Schreiben Sie zusätzlich auf, welche Kanäle Sie bewusst nicht bespielen. Das ist keine Niederlage, das ist eine Entscheidung.

    Wenn Sie schwanken: Nehmen Sie den Kanal, den die Person aus Schritt 2 selbst privat benutzt. Wer ein Netzwerk kennt, produziert dort schneller und mit weniger Grübeln.

    Vorhandene Profile nicht einfach stehen lassen Haben Sie schon Konten auf anderen Kanälen? Dann behandeln Sie die nach Schritt 9. Ein totes Profil ohne Hinweis ist schlechter als gar keines.
  4. 4

    Zehn Themen sammeln, die Sie ohnehin haben

    „Wir haben nichts zu erzählen“ stimmt fast nie. Es fühlt sich nur so an, weil der eigene Alltag normal wirkt. Gehen Sie diese Liste durch und schreiben Sie zu jedem Punkt auf, was bei Ihnen dazu passt:

    • Ein fertiger Auftrag, gern mit Vorher und Nachher.
    • Ein Werkzeug oder Material und wofür es gut ist.
    • Eine Frage, die Kunden Ihnen jede Woche stellen.
    • Ein Fehler, den Leute machen, und wie man ihn vermeidet.
    • Ein Mensch aus dem Betrieb, kurz vorgestellt.
    • Ein Blick hinter die Kulissen: Lieferung, Werkstatt, Vorbereitung.
    • Etwas Saisonales: Frostschutz, Hitzeschutz, Ferien, Feiertage.
    • Eine Auszeichnung, eine Prüfung, eine neue Maschine.
    • Ein Termin, eine Aktion, eine offene Stelle.
    • Ein Dank an einen Kunden oder Partner.

    Zehn Themen reichen für zweieinhalb Monate. Diese Liste ist Ihr wichtigstes Werkzeug, nicht die App.

  5. 5

    Den Monatsplan in dreißig Minuten bauen

    Nehmen Sie vier Themen von Ihrer Liste und verteilen Sie sie auf die vier Wochen des kommenden Monats. Schreiben Sie zu jedem Beitrag drei Dinge auf: Datum, Thema, welches Bild oder Video Sie dafür brauchen. Mehr nicht.

    Ein Plan auf einem Blatt Papier oder in einer einfachen Tabelle genügt vollkommen. Sie brauchen dafür kein Programm und kein Abo.

    Feste Rubriken sparen Denkarbeit Viele Betriebe fahren gut damit, den Monat immer gleich aufzubauen: eine fertige Arbeit, eine Kundenfrage, ein Mensch aus dem Team, etwas Saisonales. Dann müssen Sie nur noch füllen, nicht mehr erfinden.
  6. 6

    Zwei Stunden vorproduzieren statt täglich improvisieren

    Der größte Zeitfresser ist nicht das Posten, sondern das jedes Mal neue Anfangen. Machen Sie deshalb alle Fotos und Videos für den ganzen Monat an einem Tag. Wenn Sie ohnehin auf der Baustelle oder im Laden sind, kostet das kaum Extrazeit.

    • Fotografieren Sie quer und hochkant. Hochkant brauchen Sie für fast alles.
    • Machen Sie von jedem Motiv drei Aufnahmen statt einer. Aussortieren geht schnell, nachfotografieren nicht.
    • Fragen Sie Kunden, ob Sie das Ergebnis zeigen dürfen, und halten Sie die Zusage schriftlich fest. Sind Menschen erkennbar, gilt das erst recht.
  7. 7

    Veröffentlichen und auf Reaktionen antworten

    Veröffentlichen Sie nach Plan. Ob Sie das von Hand machen oder vorplanen, ist zweitrangig. Wichtiger ist das, was danach kommt: Antworten Sie auf Kommentare und Nachrichten, möglichst am selben Tag.

    Ein Kanal, auf dem jemand antwortet, wirkt lebendig. Ein Kanal ohne Antworten wirkt wie ein Anrufbeantworter. Wenn Sie nur für eines Zeit haben, antworten Sie, statt zusätzlich zu posten.

    Nicht nur Werbung Als Faustregel: von fünf Beiträgen höchstens einer, der direkt etwas verkaufen will. Der Rest zeigt, erklärt oder stellt vor. Wer nur Angebote sendet, verliert Leser schneller, als er neue gewinnt.
  8. 8

    Nach acht Wochen ehrlich auswerten

    Setzen Sie sich den Termin gleich mit. Schauen Sie dann nicht auf Follower, sondern auf drei Fragen:

    • Hat jemand angerufen, geschrieben oder im Laden gesagt, dass er es dort gesehen hat?
    • Welche zwei Beiträge liefen am besten, und was hatten sie gemeinsam?
    • Haben Sie den Zeitplan gehalten, oder haben Sie ihn zweimal verschoben?

    Zahlen zu Reichweite und Interaktionen sammeln wir im Portal unter Social Media, sobald Ihre Kanäle verbunden sind.

  9. 9

    Wenn es nicht trägt: den Kanal sauber stilllegen

    Das ist ausdrücklich erlaubt. Besser ein Kanal weniger als vier halbtote. Aber machen Sie es ordentlich, statt das Profil einfach verwaisen zu lassen:

    • Prüfen Sie, dass Profilbild, Beschreibung, Telefonnummer und Webseite stimmen. Diese Angaben werden auch dann noch gefunden, wenn nichts Neues mehr kommt.
    • Veröffentlichen Sie einen letzten Beitrag mit dem Hinweis, wo man Sie erreicht.
    • Lassen Sie das Profil bestehen, damit sich niemand anders Ihren Namen sichert.
    • Schauen Sie einmal im Quartal in die Nachrichten. Menschen schreiben trotzdem.

4Woran Sie merken, dass es geklappt hat

Nicht Follower, sondern Vorbereitung. Alles hier ist innerhalb eines Nachmittags erreichbar.

5Typische Stolpersteine

Drei Kanäle auf einmal, weil man ja nichts verpassen will

Der Klassiker. Am Anfang ist die Begeisterung groß, nach sechs Wochen ist überall Stillstand. Der Aufwand verdreifacht sich, die Wirkung nicht.

Lösung: Ein Kanal für sechs Monate. Erst wenn der ohne Ächzen läuft und Sie noch Luft haben, kommt ein zweiter dazu. Halten Sie den Verzicht schriftlich fest, dann ist er eine Entscheidung und kein Versäumnis.

„Wir haben nichts zu zeigen“

Das sagen fast alle Betriebe, und es stimmt fast nie. Was Ihnen alltäglich vorkommt, ist für Außenstehende interessant: wie ein Rohr wirklich verlegt wird, wie ein Brot morgens um vier entsteht, wie ein Schaden begutachtet wird.

Lösung: Die Themenliste aus Schritt 4 mit einer zweiten Person durchgehen. Fragen Sie jemanden, der nicht vom Fach ist, was er gern einmal sehen würde. Die Antworten überraschen regelmäßig.

Der Kanal schläft nach vier Wochen ein

Meistens nicht aus Unlust, sondern weil der Termin dem Tagesgeschäft weicht. Die erste Verschiebung ist harmlos, die zweite das Ende.

Lösung: Der Vorrat aus Schritt 6. Wenn vier fertige Beiträge in der Schublade liegen, übersteht der Kanal auch einen vollen Monat. Und senken Sie das Ziel, bevor Sie aufgeben: zwei Beiträge im Monat, die kommen, sind besser als acht geplante, die nicht kommen.

Nur Angebote, nur Werbung

Wer ausschließlich verkauft, wird weggeblättert. Soziale Netzwerke belohnen Beiträge, bei denen Menschen hängen bleiben, nicht Beiträge, die etwas wollen.

Lösung: Die Regel aus Schritt 7: höchstens einer von fünf Beiträgen verkauft direkt. Der Rest zeigt Arbeit, beantwortet Fragen oder stellt Menschen vor. Verkaufen können Sie dann in dem einen Beitrag umso deutlicher.

Der Zugang hängt an einer Privatperson

Die Aushilfe hat den Kanal „mal eben“ mit ihrem privaten Konto angelegt. Wenn sie geht, ist das Profil weg oder nur über ihren Goodwill erreichbar. Das passiert öfter als jeder technische Fehler.

Lösung: Alle Kanäle laufen über ein geschäftliches Konto, das der Inhaberin oder dem Inhaber gehört. Mitarbeitende bekommen eigene Zugriffsrechte, die sich beim Austritt entziehen lassen. Wie das bei Facebook und Instagram geht, steht in Meta Business.

6Wenn Sie nicht weiterkommen

Schicken Sie uns Ihren Satz aus Schritt 1.

Wenn Sie unsicher sind, welcher Kanal passt, oder wenn Ihnen bei der Themenliste nichts einfällt: Schreiben Sie uns, was Sie machen und wen Sie erreichen wollen. Wir antworten mit einem Vorschlag für den ersten Monat.

Nachricht schreiben

Offizielle Hilfe der Anbieter

7Das passt dazu

Konzept-Prototyp · Der Lernfortschritt wird nur in diesem Browser gespeichert.