Redirect-Kette
Von einer Redirect-Kette spricht man, wenn eine Adresse nicht direkt zum Ziel führt, sondern über Zwischenstationen: A leitet auf B, B leitet auf C, und erst C zeigt die Seite. Jede Station kostet Ladezeit, und von der Bewertung, die die ursprüngliche Adresse gesammelt hat, geht unterwegs etwas verloren. Richtig ist immer der eine direkte Sprung von A nach C.
Was das genau bedeutet
Jemand ruft bei einem Heizungsbaubetrieb an, weil die Therme streikt. Das Büro nimmt ab und verbindet zur Kundendienstannahme. Die verbindet weiter zum zuständigen Monteur. Der ist unterwegs, also läuft es aufs Handy. Jedes Verbinden bedeutet Freizeichen und Warten. Am Ende kommt der Anruf zwar an, aber ein Teil der Anrufer hat vorher aufgelegt. Genau das macht eine Weiterleitungskette mit Ihrer Webseite.
Solche Ketten legt niemand absichtlich an. Sie wachsen. Bei der Umstellung auf eine verschlüsselte Verbindung kommt eine Regel dazu. Beim Weglassen des www eine zweite. Beim Umbau der Seitenstruktur eine dritte. Jede davon ist für sich richtig, und keine wird bei der nächsten Änderung noch einmal angefasst.
Sichtbar wird das an einer Adresse, wie sie in vielen Betrieben herumliegt. Der alte Aufruf von http://www.betrieb.de/heizung.html springt zuerst auf die verschlüsselte Fassung, dann auf die Schreibweise ohne www, dann auf /leistungen/heizungswartung. Drei Stationen, bevor überhaupt etwas zu sehen ist. Nötig wäre ein einziger Sprung von der alten Zeile direkt auf die neue Seite.
Warum das für Ihr Unternehmen zählt
Am stärksten trifft es die Leute, die es eilig haben. Wer eine Adresse von einem Fahrzeug, einem Aufkleber oder einer Anzeige abtippt, steht dabei meistens draußen, mit mittelmäßigem Empfang. Jede Zwischenstation ist eine zusätzliche Anfrage über dieses schwache Netz. Am Schreibtisch merkt man den Unterschied kaum, unterwegs sehr wohl.
Der zweite Verlust ist unsichtbar. Verweise von anderen Seiten zählen für Suchmaschinen wie Empfehlungen, und dieser Wert wandert über Weiterleitungen mit. Nicht jede Station gibt alles weiter. Bei drei oder vier hintereinander kommt weniger an als auf dem direkten Weg, und betroffen sind ausgerechnet die alten Adressen, an denen die meisten Empfehlungen hängen.
Dazu kommt ein Wartungsproblem. Wer ein paar Jahre lang Regeln oben draufgelegt hat, traut sich irgendwann an keine mehr heran. Fällt dann eine Zwischenstation weg, reißt die ganze Kette, und mehrere Adressen laufen gleichzeitig ins Leere.
So gehen Sie vor
- Sammeln Sie Ihre gedruckten Adressen ein. Alles, was auf Fahrzeugen, Flyern, Anzeigen, Stempeln, in Signaturen und auf Ihrem Google-Profil steht. Dazu die Zeilen, die vor dem letzten Umbau in Gebrauch waren. Diese Adressen rufen Menschen wirklich noch auf.
- Tippen Sie jede davon einmal ab. Adresse eingeben, abwarten, oben nachsehen, wo Sie herauskommen. Die Zwischenstationen sehen Sie dabei nicht, wohl aber, ob das Ziel stimmt. Alles, was auf der falschen Seite endet, notieren Sie zusammen mit der ursprünglichen Zeile.
- Lassen Sie die Kette sichtbar machen. Wie viele Stationen dazwischenliegen, zeigt nur ein Werkzeug, das jeden Schritt protokolliert. Das ist Sache Ihrer technischen Betreuung. Bitten Sie um eine schlichte Aufstellung: Startadresse, Anzahl der Sprünge, Endadresse.
- Legen Sie jede alte Adresse direkt auf das Endziel. Und lassen Sie die Zwischenstationen bestehen, statt sie zu entfernen. Auch sie führen künftig ohne Umweg zum Ziel, denn irgendwo ist auch die mittlere Fassung gespeichert. Aus einer Kette werden so mehrere kurze Wege.
- Schreiben Sie die Verweise in Ihren eigenen Texten um. Menü, Fußzeile, Beiträge, Bildunterschriften. Innerhalb Ihrer Webseite sollte kein Link über eine Weiterleitung laufen, denn hier kennen Sie das richtige Ziel und können es einfach eintragen.
Typische Fehler
Sind Weiterleitungen also grundsätzlich schlecht?
Ganz und gar nicht. Eine einzelne Weiterleitung ist genau das richtige Mittel, wenn eine Adresse aufgegeben wird. Sie ist der Zettel für alle, die die alte Zeile noch haben. Das Problem beginnt erst dort, wo eine Weiterleitung auf die nächste zeigt.
Ab wie vielen Stationen wird es kritisch?
Anzustreben ist eine, hinnehmbar sind zwei. Ab drei sollte aufgeräumt werden. Suchmaschinen folgen zwar mehreren Sprüngen, brechen aber irgendwann ab, und für Besucher summiert sich die Wartezeit. Eine feste Obergrenze nennt Google nicht, deshalb tun wir es auch nicht.
Kann ich die Zwischenstationen nicht einfach entfernen?
Besser nicht. Jede dieser Adressen war einmal in Gebrauch, und irgendwo steckt sie noch in einem Lesezeichen oder einem alten Verzeichnis. Wird sie entfernt, landen genau diese Leute auf einer Fehlerseite. Umhängen statt wegwerfen ist die Regel.
Merkt ein Besucher so etwas überhaupt?
Bewusst kaum jemand, gefühlt viele. Wahrgenommen wird nicht die Kette, sondern die Sekunde, in der nichts passiert, nachdem man die Adresse abgeschickt hat. Wer dabei im Auto sitzt oder auf einer Baustelle steht, wechselt in dieser Sekunde gern zur Suche zurück.
Verwandte Begriffe
Wie wir damit umgehen
Bei uns gilt eine einfache Hausregel: Keine Weiterleitung darf auf eine andere Weiterleitung zeigen. Neue Regeln werden deshalb nicht oben draufgelegt, sondern in den vorhandenen Bestand einsortiert, und die älteren werden dabei mit angepasst. Nach jedem größeren Umbau tippen wir die Adressen ab, die bei Ihnen auf Papier stehen, vom Transporter bis zur Anzeige im Gemeindeblatt. Das ist stumpfe Arbeit für eine Stunde und der Grund, warum die Kette gar nicht erst wächst.
Wie viele Stationen liegen vor Ihrer Seite?
Im Beitrag steht, wie Sie Weiterleitungen und Fehlerseiten in einem Zug aufräumen. Der Sichtbarkeits-Check misst unter anderem, wie schnell Ihre Seite antwortet, und zeigt, wo es technisch hakt.